Vom Excel-Reporting zum Finanz-Cockpit: so gelingt der Umstieg
In fast jedem KMU, das ich kennenlerne, hängt das Monatsreporting an einer Excel-Datei und an einer Person. Beides funktioniert jahrelang zuverlässig – bis das Unternehmen wächst. Dieser Beitrag beschreibt, woran der Umstieg auf ein automatisiertes Finanz-Cockpit tatsächlich hängt, welche Kennzahlen hineingehören und in welcher Reihenfolge Sie vorgehen.
Woran Excel-Reporting scheitert
Excel ist ein ausgezeichnetes Werkzeug, und der Umstieg beginnt selten mit einem Mangel der Software. Er beginnt mit dem Wachstum des Unternehmens, das sie benutzt.
Jens Horstmann, Vorstand der TREVISTO AG, beschreibt den Verlauf in der Ankündigung zu seinem Podcast so:
«Controlling Dashboards und komplexe Kennzahl-Berechnungen mit Microsoft Excel sind einfach zu erstellen. Es geht einfach und schnell. Doch mit der Zeit steigt der manuelle Aufwand und die Zahl der Fehler nimmt zu. Ergebnisse sind oft nicht mehr nachvollziehbar und die Pflege hängt an dem Mitarbeiter, der die Excel-Tabelle ursprünglich gebaut hat.» Jens Horstmann, TREVISTO AG, Videobeschreibung vom 25.12.2022
Diese vier Symptome treten in dieser Reihenfolge auf, und sie verstärken sich gegenseitig. Der wachsende Aufwand erzeugt Zeitdruck, Zeitdruck erzeugt Fehler, Fehler erzeugen Nachvollziehbarkeitsprobleme, und weil nur eine Person die Konstruktion versteht, bleibt die Prüfung aus. Ich frage in Mandaten deshalb zuerst nach zwei Zahlen: Wie viele Arbeitstage dauert Ihr Monatsabschluss, und wie viele Personen könnten ihn erstellen?
Was in ein Finanz-Cockpit gehört
Ein Finanz-Cockpit führt die steuerungsrelevanten Kennzahlen an einer Stelle zusammen, aktualisiert sich aus den Vorsystemen und ist von jedem Gerät zugänglich. Entscheidend ist die Auswahl. Ein Cockpit mit sechzig Kennzahlen wird zum Archiv, in dem niemand mehr Abweichungen erkennt.
| Bereich | Kennzahlen | Frage, die sie beantworten |
|---|---|---|
| Umsatz | Umsatz nach Kunde, Produkt, Region; Auftragsbestand | Woher kommt das Wachstum? |
| Marge | Bruttomarge je Produktgruppe, Deckungsbeitrag | Womit verdienen wir wirklich? |
| Liquidität | Cashflow, Debitorenfrist, Kreditorenfrist, Lagerdauer | Reicht das Geld für die nächsten Monate? |
| Abweichung | Ist gegen Budget und gegen Vorjahr, Forecast | Wo müssen wir eingreifen? |
Die vierte Zeile ist die wichtigste und fehlt am häufigsten. Ein Cockpit, das nur Ist-Werte zeigt, informiert. Erst der Vergleich mit einer Erwartung löst Handeln aus.
Der Umstieg in vier Phasen
Horstmann führt in einem zweiten Beitrag ein Praxisbeispiel für die Umstellung von Excel auf Power BI durch. Das Vorgehen, das ich in Mandaten anwende, gliedert sich in vier Phasen über typischerweise acht bis zwölf Wochen bis zum ersten produktiven Cockpit.
- Bestand aufnehmen. Welche Berichte existieren, wer nutzt sie wirklich, welche Zahl kommt woher? Regelmässig fallen in diesem Schritt ein Drittel der Berichte weg, weil niemand sie mehr liest.
- Kennzahlen definieren. Je Kennzahl eine Formel, eine Quelle, eine verantwortliche Person, schriftlich. Dieser Schritt ist der unbeliebteste und derjenige, der über das Ergebnis entscheidet.
- Datenanbindung und Modell bauen. Automatischer Abzug aus ERP, Lohnsystem und Bank; ein Datenmodell, das die Kennzahlen einmal rechnet.
- Cockpit veröffentlichen und übergeben. Zugriffsrechte, Aktualisierungsrhythmus, Zuständigkeit. Danach begleitete Nutzung über zwei bis drei Abschlüsse.
Der Übergang läuft parallel. Die Excel-Berichte laufen weiter, bis das Cockpit zwei Abschlüsse hintereinander dieselben Zahlen liefert. Diese Doppelspurigkeit kostet Aufwand und erspart den Vertrauensverlust, der jeden Umstieg gefährdet.
Die drei häufigsten Fehler
- Die alten Berichte nachbauen. Ein Excel-Bericht ist über Jahre um die Grenzen von Excel herum gewachsen. Wer ihn eins zu eins nachbaut, übernimmt die Einschränkungen und lässt den Nutzen liegen.
- Zu viel auf einmal. Alle Bereiche gleichzeitig anbinden führt zu einem Vorhaben, das nach einem Jahr noch nichts geliefert hat. Ein Bereich, der läuft, schlägt fünf, die halb fertig sind.
- Die Definitionen überspringen. Ohne verbindliche Kennzahldefinition entstehen im neuen Werkzeug dieselben widersprüchlichen Zahlen wie vorher. Dann diskutiert die Geschäftsleitung über die Datenqualität statt über das Geschäft.
Einschätzung des Autors
Die Kennzahl, an der ich den Erfolg eines Umstiegs messe, ist die Dauer des Monatsabschlusses. Sie ist unbestechlich, jeder im Unternehmen versteht sie, und sie fasst Datenqualität, Automatisierungsgrad und Prozessdisziplin in einer Zahl zusammen. Wer von zwölf Arbeitstagen auf vier kommt, hat die Wirkung nicht nur im Bericht, sondern im Kalender seines Teams.
Zum Zeitpunkt: Der beste Moment für den Umstieg liegt vor dem Wachstumssprung, nicht danach. Ein Berichtswesen, das bei 15 Millionen Umsatz knirscht, blockiert bei 25 Millionen die Geschäftsleitung. Der Aufbau dauert Wochen, und diese Wochen haben Sie unter Druck nicht mehr.
Was ich ausdrücklich beibehalte: Excel bleibt im Einsatz. Für Einzelanalysen, Modelle und Sonderfragen ist es das schnellste verfügbare Werkzeug. Der Umstieg betrifft das wiederkehrende Reporting – dort, wo jeden Monat dieselben Handgriffe anfallen. Diese Trennung ersparen sich viele Vorhaben, und sie erzeugen damit Widerstand, der sich vermeiden liesse.
Auf den Punkt
- Vier Symptome kündigen die Grenze an: steigender Handaufwand, mehr Fehler, fehlende Nachvollziehbarkeit, Abhängigkeit von einer Person (TREVISTO).
- Ein Cockpit braucht Umsatz, Marge, Liquidität und Abweichung – die vierte Gruppe fehlt am häufigsten und löst das Handeln aus.
- Vier Phasen über acht bis zwölf Wochen, mit Parallelbetrieb bis das Cockpit zwei Abschlüsse hintereinander bestätigt.
- Die Dauer des Monatsabschlusses ist die ehrlichste Erfolgskennzahl des Umstiegs.
- Excel bleibt für Einzelanalysen im Einsatz. Umgestellt wird das wiederkehrende Reporting.
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Quellen
Ausgewertet wurden Metadaten und die vollständigen Beschreibungen der folgenden YouTube-Beiträge sowie die von den Kanälen selbst veröffentlichten Kapitel und Zitat-Highlights. Wörtliche Transkripte gibt YouTube nicht mehr heraus; Aussagen sind deshalb dem Urheber zugeschrieben und als dessen Position gekennzeichnet.
- KIundTECH Podcast mit Jens Horstmann, TREVISTO AG: Power BI statt Excel im Controlling: Controlling Dashboards & automatisiertes Reporting, 25.12.2022, 42:38 Min.
- KIundTECH Podcast mit Jens Horstmann, TREVISTO AG: Controlling mit Power BI: Ohne Excel, automatisiert Berichte erstellen, 18.07.2023, 35:26 Min.
- AI or DIE (BI or DIE) mit Maximilian Laturnus, Carl Zeiss Vision: Self Service Reporting in der Praxis – Digitales Controlling im Mittelstand, 29.11.2022, 4:16 Min.
- AI or DIE (BI or DIE) mit Dennis Hoffstädte, DatenPioniere: BI im Mittelstand, 04.04.2023, 33:56 Min.
- AXA Schweiz: KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 – Künstliche Intelligenz erobert Schweizer KMU, Medienmitteilung vom 08.10.2025.
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